Sklaven natur bei aristoteles
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Sklaven natur bei aristoteles



Einleitung………………………………………………………………………………….…..2

1. Hausverwaltung und Sklaverei…………………………………………………………3

2. Der Begriff des Sklaven…………………………………………………………………6

3. „Die Stellung des Sklaven ist Vorteilhaft und Gerecht“……………………………7

4. Die Entwicklung der Theorie der Sklaverei…………………………………………12

Fazit………………………………………………………………………………………..…16

Literaturverzeichnis………………………………………………………………..…….…17

EINLEITUNG

Das Thema dieser Arbeit ist „Sklaven Natur bei Aristoteles“. In dieser Arbeit werde ich Aristoteles Sicht auf die Sklaven Natur analisieren. Dieses Thema ist aktuell, denn aus der Sicht des heutigen Menschen, die Sklaverei widerspricht menschliche Natur – alle Menschen haben gleiche rechte und sind frei.

Diese Arbeit besteht aus vier Teilen. Im ersten Teil wird Hausverwaltung und Sklaverei analisiert. Der zweite Teil umfasst den Begriff der Sklaverei. Im dritten Teil dieser Arbeit wird Aristoteles Behauptung – „Die Stellung des Sklaven ist Vorteilhaft und Gerecht“ – erklärt. Im vierten Teil wird die Theorie der Sklaverei überblickt.

Diese Arbeit zu erledigen wurde dieses Literatur verwendet: Schütrumpf, E. „Aristoteles Politik“; Otfried Höffe „Aristoteles Politik“ und Artikel von Günter Bien „Bemerkungen zum Aristotelischen Politikbegriff und zu den Grundsätzen der Aristotelischen Staatsphilosophie“.

1. HAUSVERWALTUNG UND SKLAVEREI

Die Kapitel 3 bis 13 des ersten Buchs der Politik behandeln die hierarchischen Beziehungen, die der oikia zugrunde liegen. Mit dem Ausdruck oikia, der üblicherweise mit „Haus“ oder „Familie“ übersetzt wird, wird die erste natürliche menschliche Gemeinschaft bezeichnet; sie zielt darauf ab, das zu befriedigen, was Aristoteles „die tägliche Bedürfnisse“ nennt, die auf zwei fundamentale Bedürfnisse zurückgehen: Fortpflanzung (gennesis) und Selbsterdhaltung (soteria). Wenn man nun, um den Ausdruck oikia wiederzugeben, weiterhin von „Familie“ spricht, ist zu präsentieren, dass es sich nicht um eine Familie im modernen Sinne des Wortes handelt, selbst wenn man sie auf mehr als zwei Generationen erweitert, sondern um einen Verband, der nicht nur die biologischen Eltern umfasst. Aristoteles unterscheidet drei Verhältnisse: zwischen Herrn und Sklaven, zwischen Ehemann und Ehefrau und zwischen Vater und Kind. Auch wenn die Untersuchung des Verhältnisses zum Sklaven die längste ist (ihr sind die Kapitel 3 bis 8 gewidmet), erhält sie doch ihren Sinn, wie wir sehen werden, erst innerhalb einer allgemeinen Untersuchung der Familie. Dies hat manche Kommentatoren zu dem Versuch veranlasst, Aristoteles gegen aus unseren Sicht vernichtete Vorwürfe zu verteidigen, nach denen er ein Vordenker der Sklaverei gewesen sei, die Griechenland zu seiner Zeit plagte. Wahr ist, dass Aristoteles nicht dem System der Sklaverei seiner Zeit die philosophischen Weihen erteilt, da es sich um eine ganz andere Form der Abhängigkeit handelt, die er „natürlich“ findet. Nicht minder wahr ist allerdings, dass es sich dabei um eine wirkliche Form der Sklaverei handelt, und dass die Wahl der Worte „Sklave“ (doulos) und „Sklaverei“ (douleia) nicht unangemessen ist.

Am erstaunlichsten ist die Tatsache, dass der Aristotelische Text die einzige Analyse ist, die wir von dieser in jedem Sinn des Wortes fundamentalen Praxis besitzen, wie es die Sklaverei in der Antike war. Sicherlich haben beispielsweise die Stoiker der Reflexion über die Sklaverei eine völlig andere Richtung gegeben, besonders indem sie sich gegen die von den anderen griechischen Denkern geteilte Vorstellung wandten, die Hierarchie sei natürlich und daher gut. Wenn an den hierarchischen Strukturen der Gesellschaft die moralische Schwäche ihrer Mitglieder schuld sei – von Natur aus seien die Menschen dazu bestimmt, eine Gemeinschaft von gleichen Weisen zu bilden-, dann gebe es für die Sklaverei schwerlich eine ethische Rechtfertigung (vgl. Erskine 1990). Die stoischen Autoren haben die Wirklichkeit der Sklaverei jedoch, soweit man es aufgrund der erhaltenen Zeugnisse beurteilen kann, keiner Analyse unterzogen.

Die Aristotelische Theorie der Sklaverei kann von vornherein aus zwei Richtungen betrachtet werden. Die Tatsache, dass Menschen von Natur aus Sklaven sein sollen, erklärt sich aus der allgemeinen Struktur dessen, was man die Psychologie des Aristoteles nennen könnte. Doch wählt die Politik, obwohl sie sich auf diese Psychologie beruft, nicht diesen Weg. Der Text führt eine Analyse durch, der es Schritt für Schritt zu folgen gilt.

Das Prinzip, auf dem das gesamte erste Buch der Politik beruht, ist ein teleologisches Prinzip: Jede menschliche Gemeinschaft bildet sich um einer Sache willen. Eine solche Behauptung muss Aristoteles für evident gehalten haben: Selbst wer die Organisation des Kosmos für zufällig hält, wird zugeben, dass die Menschen Gemeinschaften um einer Sache willen bilden, auch wenn sie sich über die Nützlichkeit oder Schädlichkeit diese Ziels
täuschen oder ihre Zielsetzungen nicht erreichen. Von den Gemeinschaften sind die einen natürlich, die anderen beruhen auf Konvention. Dabei handelt es sich um eine starke These, die Aristoteles aufstellen muss, und die er dort verwendet, wo er sich mit der Polis befasst, in Kapitel 2 des ersten Buchs. Die Natürlichkeit der – im logischen, nicht im chronologischen Sinn – ersten der menschlichen Gemeinschaften, der oikia, wird dagegen auf gewissermaßen implizite Weise erwiesen. Die Familie ist die erste der natürlichen Gemeinschaften, da sie die „grundlegendsten“ Bedürfnisse befriedigt, die als natürlich angesehen werden. Es ist der Anfang des zweiten Kapitels (I 2, 1252a24-b14), durch den sich diese These als etabliert betrachten lässt.

Die Bewegung des Textes ist nun die folgende: Es gibt unter den Menschen zwei notwendige Verhältnisse, die um der Befriedigung zweier Triebe willen bestehen, nämlich um der Fortpflanzung und der Selbsterhaltung willen. Diesen verschiedenen Trieben entsprechen verschiedene Verbindungen. Die Verbindung von Mann und Frau befriedigt bei Menschen den Trieb nach Fortpflanzung, der dem natürlichen Bedürfnis alles Lebendigen, „ein anderes, ihnen gleiches zu unterlassen“ entspricht. Die Verbindung zwischen von Natur aus Herrschendem und von Natur aus Beherrschtem dient dazu, die Selbsterhaltung zu sichern, und zwar die wechselseitige Erhaltung von Herrscher und Beherrschtem (vgl. 1252a34). Im folgendem Abschnitt (a34-b12) warnt Aristoteles davor, die beiden Verbindungen miteinander zu verwechseln: Die Tatsache, dass es sich bei beiden um hierarchische Beziehungen handelt – die Frau und der Beherrschte sind von Natur aus dem Mann und dem Herrschenden unterworfen – erlaubt nicht, die eine auf die andere zu reduzieren. Die jeweiligen Herrschaftsbeziehungen weisen vielmehr spezifische Unterschiede auf (vgl. I 1, 1252a7-9). Die beiden Gemeinschaften, nämlich die der Eheleute und die des Herrschenden und von Natur aus Beherrschten, bilden die Familie, die erste natürliche Gemeinschaft (vgl. I 2, 1252b9/12). Etwas später (3, 1253b5) präzisiert Aristoteles, dass eigentlich drei Gemeinschaften die Familie konstituieren, nämlich die von Herrn und Sklaven, von Ehemann und Ehefrau und von Vater und Kind.

Am Ende des dritten Kapitels kündigt Aristoteles an, eine Theorie der Sklaverei zu entwickeln, um zwei Fragen zu klären, die zu seiner Zeit diskutiert wurden und deren Status sehr unterschiedlich ist: Ist die Herrschaft des Herrn über den Sklaven von derselben Art wie die anderen Herrschaftsformen? Ist die Sklaverei wider die Natur? Die erste Frage hat Aristoteles bereits im ersten Kapitel negativ beantwortet, ohne jedoch dafür zu argumentieren. Hier nimmt sie nun eine andere, präzisere Form an. Die Leute, gegen die Aristoteles sich richtet und bei denen es sich wohl um Platoniker handeln dürfte, glauben, dass es eine allgemeine Herrschaftswissenschaft (despotike episteme) gibt, und dass sie sich in derselben Weise auf die Hausverwaltung, die Regierung einer Polis oder eines Königreichs bezieht; dabei gehe die Identität der Herrschaftsaufgaben auf die Identität der entsprechenden Wissenschaft zurück. Auf die zweite Frage wird Aristoteles mit seiner Theorie der natürlichen Sklaverei antworten, die die natürliche Sklaverei als gerecht, alle anderen Formen der Sklaverei als ungerecht ansieht.

Die Methode, nach der Aristoteles vorgeht, wurde von Victor Goldschmidt (1973) sehr erhellend herausgearbeitet. Aristoteles entwickelt in der Tat zunächst den Begriff des Sklaven (I 4). Dabei beruft sich Aristoteles wiederum auf seine Psychologie. Er glaubt damit in der Lage zu sein, die Fragen nach der Legitimität der Sklaverei (I 6) und nach der so genannten Herrschaftswissenschaft (I 7) zu beantworten. Im folgenden (I 8 ff.) nimmt er dann die gesamte Hausverwaltung, zu der die Sklaverei nur als ein Teilbereich zählt, in den Blick.

2. DER BEGRIFF DES SKLAVEN

Das Problem der Sklaverei stellt sich innerhalb der Familie. Die Familie, die erste natürliche Gemeinschaft, benötigt Sklaven. Aristoteles definiert den Sklaven zunächst als „Werkzeug“ (organon): das Besitzstück (ktema) ist ein Werkzeug; der Sklave ist ein beseeltes Besitzstück, folglich ist er ein beseeltes Werkzeug. Der Besitz, von dem die Rede ist, wird als eine „Gesamtheit von Werkzeugen“ definiert oder als eine Gesamtheit von Besitzstücken, von denen jedes ein Werkzeug ist. Dieser Begriff ist sehr genau bestimmt: Er ist, wie es zu Beginn des Kapitels heißt, „ein Teil der Familie“ (b23: meros tes oikias). Ein solcher Besitz deckt daher nicht alles ab, was einem Subjekt (im juristischen Sinn des Wortes) „gehört“. Wenn jemand Silberminen besitzt, aus denen er durch Spekulation Gewinn zieht, handelt es sich dabei keineswegs um familiären Besitz. Aus diesem Grund wird er von seinen Sklaven, wenn er sie in den Silberminen arbeiten lässt, keinen naturgemäßen Gebrauch machen, und zwar auch dann nicht, wenn es sich um Individuen handelt, die von Natur aus dazu bestimmt sind, Sklaven zu sein, denn sie sind nicht dazu bestimmt, diese Funktion zu erfüllen.

Aristoteles redete, dass das Handwerkzeug nicht von allein arbeitet, ist etwas nötig, das es zum Einsatz bringt, und auch wenn es Mechanismen oder Tiere sein können, muss doch letztlich eine menschliche Tätigkeit dahinter stehen. Der genaue Sinn des Ausdrucks „organon pro
nicht vollkommen klar, – er kann sowohl „Werkzeug, das an Stelle anderer Werkzeuge eingesetzt wird“ bedeuten als auch „Werkzeug, das früher ist als die von ihm eingesetzten Werkzeuge“ – er muss aber im Sinn der Kontrolle verstanden werden, die der Mensch über das Handwerkzeug ausübt, das er einsetzt. Warum wird aber dieser „Hausknecht“ als Sklave definiert? Setzt man nicht sogar innerhalb der Familie Arbeiter ein, die keine Sklave, sondern Lohnarbeiter sind, um den Einsatz der Werkzeuge zu steuern?

An dieser Stelle bringt Aristoteles eine wichtige Präzisierung seiner Definition des Sklaven als eines Werkzeugs sein, die deren Gehalt tatsächlich verändert. Einige Kommentatoren glauben, dass er auf diese Weise einen ungewöhnlichen Gebrauch korrigiert, den er von dem Ausdruck „Werkzeug“ (organon) zu machen in Begriff ist, da das griechische Wort organon eigentlich ein Werkzeug zur Herstellung von etwas bezeichnet. Das ist zwar sicherlich richtig, aber bei der Unterscheidung von Handeln und Herstellen bezieht sich Aristoteles in beiden Fällen auf organa. Er bestimmt den Sklaven mit Hilfe des folgenden Arguments: Der Unterschied, der zwischen Herstellen und Handeln (praxis) besteht, findet sich in den Werkzeugen wieder, die daran mitwirken; das Leben ist Handeln; also ist der Sklave ein Werkzeug, das dem Handeln dient. Es ist bemerkenswert, dass die theoretisch für dieses Argument wesentliche Prämisse ergänzt werden muss: Der Sklave ist auf das Leben (bios) bezogen. Eine schwer verständliche These, die Aristoteles noch verstärkt, indem er das Verhältnis vom Sklaven zum Herrn mit dem Verhältnis vom Teil zum Ganzem vergleich: Ebenso wie der Teil vollständig Teil des Ganzen ist, während das Ganze dem Teil nicht angehört, so gehört auch der Sklave vollständig dem Herrn an, ohne dass dieser ihm angehörte. Aristoteles geht sehr weit in diese Richtung, bis er erklärt, dass „der Sklave ein bestimmter Teil des Herrn, nämlich ein beseelter und für sich bestehender Körperteil“ desselben sei. Diese Verbindung ist viel enger als das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sei er auch Sklave, und zweifellos hat kein einziger Plantagenbesitzer in den amerikanischen Südstaaten jemals einen seiner schwarzen Sklaven als einen, wenn auch davon getrennten, Teil des eigenen Körpers betrachtet.

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