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Deutschland nach 1945

Inhalt

Die Stunde null

Demontage und Wirtschaftskrise

Die Währungsreform

Kontroverse um die Wirtschaftsordnung

Der Marshallplan

Das Wirtschaftswunder

Entwicklung des Sozialsystems

Wirtschafts- und Sozialpolitik 1955-60

Gesellschaftliche Entwicklung in der BRD

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Die Stunde null

Am 8.Mai 1945, dem Tag der Kapitulation, bot sich dem Betrachter ein schreckliches Bild von Deutschland. Deutschland glich auf den ersten Blick, aufgrund der exzessiven Bombardierung durch die Alliierten, aufgrund des Kriegsgeschehens im eigenen Lande und nicht zuletzt Hitlers ansatzweise verwirklichter verbrannte Erde Taktik einer öden Trümmerlandschaft. Die Menschen litten bittere Not, denn bisher hatte sich die dt. Wirtschaft bis zum äußersten verausgabt, um die Kriegsmaschinerie in Gang zu halten. Der Ausbau oder die Fortentwicklung der Lebensmittelerzeugung oder das Anlegen von Reserven waren vernachläßigt worden, und so schlug die schon vor der Kapitulation herrschende Knappheit jetzt, da keine übergeordnete Verwaltung die Produktion mehr kontrollierte und koordinierte in akute Not und Hunger um.

Die Erzeuger und Selbstversorger zogen es vor, ihre Erzeugnisse, statt sie für wertlos gewordene Zahlungsmittel bei offiziellen Stellen abzuliefern in Eigenverantwortung und auf Tauschbasis zu verteilen. Der hilflosen Verwaltung blieb nichts anderes übrig, als das wenige was sie noch zu verteilen hatte möglichst gerecht unter die Leute zu bringen.

Von einem geistig-politischem Gestaltungswillen und einer zukunftsorientierten kreativ-produktiven Aufbauphase konnte keine Rede sein, denn es galt mit der Not des Alltags, mit dem Jetzt fertig zu werden. Die Ernährung und Wohnung mußten gesichert und erhalten werden, die nötigsten Aufräumarbeiten mußten geleistet werden, zudem mußten Flüchtlinge und Heimkehrer betreut und versorgt werden und verschiedene Anordnungen der Alliierten waren auszuführen. Dies waren die praktischen Anforderungen des Alltags, die sich mit Sorgen, Trauer, Trostlosigkeit und Ungewißheit verbanden und so die depressiv-melancholische Gesamtstimmung in der Frühzeit nach der Kapitulation verursachten. Erschwerend hinzu kam der Hungerwinter 1946/47 mit Hunger, Krankheit und Kältetoten. Gesellschaftliches Leben war auf die Basis primitiven Tauschhandels zurückgefallen, Naturalien, Heizstoffe, Kleidung, Medizin, Zigaretten und Liebe hatten die inflationäre Reichsmark als Zahlungsmittel abgelöst und an ihrer Stelle bestimmten Schwarzmärkte das tägliche Leben. Auch in Zahlen läßt sich das Elend der ersten Tage nach der Kapitulation belegen: Der Ruhrkohlebergbau förderte ’45 nur 25000t monatlich, gegenüber 400000t vor dem Krieg, die Stahlerzeugung war noch niedriger, im August arbeiteten nur 15% aller Werke und die tatsächliche Produktion betrug nur 5% der Gesamtkapazität. Viele dt. Häfen waren völlig zerstört und im Mai ’45 waren im britischen Sektor nur der Eisenbahnstrecke befahrbar. Allerdings täuschte der äußere Schein, denn obgleich der abschreckenden Trümmerberge war in dt. Fabriken mehr intakt als man zunächst annahm. Es stellte sich heraus, daß einige dt. Häfen, darunter auch Hamburg den Luftkrieg fast unbeschadet überstanden hatten. Außerdem fand man heraus, daß nur ca. 30% der Maschinerie des Ruhrgebietes völlig zerstört und nicht mehr instandsetzbar war. Im übrigen Reichsgebiet waren sogar nur 15-20% der Maschinerie völlig zerstört. Bei der Bestandsaufnahme der dt. Industrie stellten die Alliierten außerdem fest, daß dt. Fabriken im Schnitt sogar höhere Materialreserven als viele englische Fabriken hatten ud zusätzlich lagen noch ca. 2 Mio. Tonnen Kohle auf Halde. Auch auf dem Sektor der Transportwege konnte vieles leicht wieder ins Lot gebracht werden, z.B. waren schon ’46 nur noch der Eisenbahnstrecke des brit. Sektors nicht mehr befahrbar.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Zeit nach der Kapitulation geprägt war durch Hunger und Elend, durch rießige Flüchtlingsbewegungen und den Schwarzmarkt wohingegen konstruktive Tendenzen nur in kleinem Ausmaß vorhanden waren. Die Grundlage für einen erneuten Aufschwung war jedoch weitaus besser als das Ausmaß der Zerstörung erahnen ließ und in den westlichen Besatzungszonen sollte sich dieser Aufschwung dank der gemäßigten Haltung der westlichen Alliierten schon bald vollziehen.

Demontage und Wirtschaftskrise

Deutschland schlidderte nach der Kapitulation ’45 unweigerlich in eine Wirtschaftskrise größeren Ausmaßes, die viele Gründe hatte. Zum einen war da die Diskrepanz zwischen einer rießigen Geldumlaufmenge (1938: 60 Mrd./ 1948: 400 Mrd.) und einem völlig unzureichendem Warenangebot, welche die Funktion des Geldes praktisch außer Kraft setzte und somit die Wirtschaft de facto lahmlegte. Die rießige Geldmenge hatte sich durch Hitlers Schuldenpolitik (Mefo-Wechsel) und die Kriegswirtschaft angehäuft und kaum jemand fand sich bereit für wertlose Papierscheinchen zu schuften oder gar kostbare Ware abzuliefern.

Das Ausmaß der wirtschaftlichen Notlage zeigte sich nicht sofort, denn für ’46 reichten noch aus der Kriegszeit gerettete Rohstoffvorräte und Reserven welche für die Produktion der Existenzminimums gerade noch ausreichend waren, jedoch zeigte sich im Winter 1946/47, daß auf den 3 wichtigsten Volkswirtschaftlichen Bereichen, namentlich Ernährung, Energieversorgung und Verkehr der
Zusammenbruch und damit die Katastrophe unausweichlich wurde. Die Alliierten mußten nun einsehen, daß ihre restriktive Wirtschaftspolitik und die Demontage nur zum totalen Zusammenbruch der dt. Wirtschaft führen konnte, womit Deutschland ihnen praktisch auf der Tasche gelegen hätte. Die restriktive Wirtschaftspolitik der Alliierten, welche ein Kind des kalten Krieges war, da sie durch die Ergebnisse der Konferenzen von Teheran(’43), Jalta(’45) und Potsdam(’45) prädestiniert war, stützte sich im wesentlichen auf die Überzeugung, daß Deutschland ein erneuter Griff nach der Weltherrschaft unmöglich gemacht werden mußte. Ziele waren also die völlige Abrüstung Deutschlands einschließlich der Demontage der Rüstungsindustrie und Beschneidung aller kriegswichtigen Industriesektoren, Vernichtung des Nationalsozialismus, Demokratisierung und eine Zentralisierung von Verwaltung und Wirtschaft. Im Sinne dieser Ziele betrieben die Alliierten eine hemmende Wirtschaftspolitik. Sie konfiszierten große Teile der Produktion zur Deckung von Reparationsleistungen, viele funktionstüchtige Betriebe wurden demontiert und somit lahmgelegt und viele Produkte wurden wegen eventueller wehrtechnischer Verwendbarkeit mit einem Fertigungsverbot belegt. Festgelegt war diese hemmende Wirtschaftspolitik im Alliierten Industrieplan von 1946, der unter anderem vorsah, daß die Erzeugung der Industrie bis 1949 mengenmäßig nur ca. 55% der Erzeugung des Jahres 1938 erreichen sollte, was für die Gesamtindustrie einen Stand von 65% der Erzeugung von 1936 bedeutete. Angesichts der Zerstörung in Deutschland mögen schon die relativ geringen Werte des Wirtschaftsplanes utopisch erscheinen, jedoch erreichte die dt. Wirtschaft schon im 2. Halbjahr 1946 60% des nach Viermächteplanes für 1949 vorgesehenen Standes. War schon die mengenmäßige Begrenzung der gesamten Erzeugung und damit des Wachstums besorgniserregend, so gab es in einzelnen Wirtschaftszweigen noch härtere Beschränkungen. Verständlich war, daß kein Kriegsmaterial, keine Seeschiffe und Flugzeuge gebaut werden durften, jedoch war auch der Bau von Maschinen und Werkzeugen verboten die zur Herstellung kriegswichtiger Materialien verwendet werden konnten. Unter diese totale Sperre fielen z.B. Kugellager, Werkzeugmaschinen, Schlepperfahrzeuge, synthetische Treibstoffe und Alluminium. In anderen Bereichen gab es ebenfalls harte Beschränkungen: so durfte z.B. die Stahlherstellung nur 25% der Herstellung von 1936, Zement 50%, Elektroindustrie 50%, Automobilbau 20% und bei der Schuhproduktion 50% betragen. Außerdem waren fast 1800 Industrieanlangen zur Demontage vorgesehen, was die dt. Industrie enorm zurückgeworfen hätte. Auch der Außenhandel war den Deutschen völlig aus der Hand genommen. Die Wirtschaftskrise ’46/47 förderte jedoch bei den Alliierten die Einsicht, daß ein verkrüppeltes Deutschland ihnen letztendlich nur auf der Tasche liegen würde und außerdem wurden sich die westlichen Alliierten der Tatsache bewußt, daß nur ein wirtschaftlich gesundes Deutschland ein wirksamer Verbündeter gegen den sich ausbreitenden Sowjetimperialismus sein würde.

Als Beispiel für die Bewußtwerdung der wirtschaftlichen Problematik kann die Kohlekrise 1946/47 angeführt werden. Kohle war der wichtigste Rohstoff der dt. Industrie, wichtigster Energieträger der privaten Haushalte und Voraussetzung für ein funktionierendes Verkehrs- und Transportsystem. Jedoch war Kohle aufgrund der Demontage, der mangelnden Effektivität der veralteten Anlagen und aufgrund mangelhafter Qualifikation der Bergleute Mangelware und somit Wirtschaftsproblem Nr.1! Die Alliierten unternahmen enorme Anstrengungen die Kohleförderung durch Schwerstarbeiterzulagen, Lohnerhöhungen und ein Prämiensystem zu steigern, jedoch waren diese Maßnahmen machtlos gegen die Strangulationsmaßnahmen die der dt. Wirtschaft ebenfalls durch die Alliierten aufgezwungen wurden. Die dt. Wirtschaft war in einem Teufelskreis, denn auf der einen Seite konnten die Kohlearbeiter nicht genug Kohle produzieren, da sie zuwenig zu essen bekamen, wohingegen auf der anderen Seite die Stickstoffproduktion größtenteils verboten war weshalb mangels Düngung die dt. Lebensmittelproduktion extrem niedrig war. Die Alliierten verlangten also einerseits Höchstleistungen bei der landwirt. Erzeugung und bei der Kohleproduktion um die Wirtschaftskrise zu überwinden und den schwarzen Markt auszuschalten, strangulierte aber andererseits durch Demontage und Produktionsverbote landwirtschaftliche und industrielle Erzeugung und begünstigte somit sogar die Verknappung und damit den Schwarzmarkt und obendrein zahlten sie dabei noch drauf, denn mit eigenen Steuergeldern kamen die Alliierten für die dt. Wirtschaftsmisere auf.

Zusammenfassend läßt sich also sagen, daß die Entwicklung der dt. Wirtschaft durch den Teufelskreis von Demontage und Produktivitätsverlust enorm geschwächt wurde und dieses Defizit mußte durch die Alliierten gedeckt werden. Die Einsicht in diesen Sachverhalt und die Überlegung, daß Westdeutschland zukünftiger Partner gegen die Sowjetunion sein könnte bewirkten schließlich eine Umkehr in der Wirtschaftspolitik der westlichen Alliierten. Auch die Hauptaufgabe zur Überwindung der dt. Wirtschaftskrise, namentlich Aufhebung der restriktiven Wirtschaftspolitik und Sanierung der Währung wurden erkannt und in Angriff genommen.

Die Währungsreform

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